Denkmal-Restaurierung eines Rheinischen Vierkanthofs

Denkmalgeschützte Vierkanthöfe im Rheinland – vor allem als Solitärhöfe im ländlichen Umfeld – haben meist landschaftsprägenden Charakter und bestimmen das Bild vieler geschützter Landschaftsbereiche. Diese Vierkanthöfe als kulturelles Erbe einer ganzen Region sind in ihrer Architektur in besonderem Maße schützenswert.

Oftmals musste jedoch in den vergangenen Jahrzehnten die landwirtschaftliche Nutzung aus Gründen der Rentabilität aufgegeben werden. Ein Erhalt des Denkmals war auf Dauer oft nur mit Restaurierung der Bausubstanz durch Umwandlung in Wohnraum zu gewährleisten.

In enger Abstimmung mit den Denkmalbehörden war es dann bei dieser Nutzungsänderung besonders wichtig, den Vierkanthof mit seinem typischen und landschaftsprägenden Charakter zumindest in seinem äußeren Erscheinungsbild möglichst unverändert zu erhalten.

Dabei ist ein Rheinischer Vierkanthof in seinem Geviert vor allem von der großen Scheune und seinen beidseitigen Stallungen mit ihren mächtigen Dachlandschaften und dem Ziegelmauerwerk geprägt. Das Herrenhaus bildet dann einen krönenden Abschluss der Gebäude um einen meist rechteckigen und geschützten Innenhof.

Ziel der Restaurierung sollte es sein, diesen optischen Charakter trotz der Umnutzung in Wohnraum möglichst unverfälscht und langfristig zu erhalten. Bei enger Abstimmung mit den Denkmalbehörden sollte es gelingen, eine architektonische Harmonie zu schaffen, die auch noch in Jahrzehnten den Vierkanthof mit seinen typischen Eigenschaften als ästhetisches Bauwerk erscheinen lässt. Dergestalt sind dann auch die Denkmalbehörden zufrieden und die Investoren erhalten somit ein langfristiges Wertsteigerungspotential mit einer in sich stimmigen und harmonischen Architektur.

Die Herausforderung ist bei den meist 20 x 50 großen und 12 Meter hohen Scheune besonders groß, diese mit ausreichenden Öffnungen für eine Belichtung des Wohnraums zu versehen. Neben der Verglasung der großen Scheunentore bedarf es feinfühlig weiterer Fenster in Fassade und Dach, ohne die Mächtigkeit der Scheune in ihrer Erscheinungsform zu beeinträchtigen. Die Einheitlichkeit der Dachflächen darf dabei nicht durch Dachgauben gestört werden, stattdessen sorgen geschickt platzierte Dachflächenfenster für ausreichende Belichtung

Neue Fensteröffnungen in den Fassaden der Scheune und Stallungen sind jeweils durch einen Stahlträger-Fensterabschluss zu kennzeichnen und machen so die Unterscheidung von alt und neu leicht.

Besonderes Gewicht legen die Denkmalbehörden auf den Erhalt der Dachkonstruktionen und der Holzbalken. Auch in hundert Jahren soll noch erkennbar sein, wie in Vorjahrzehnten solche Dächer statisch gesichert wurden. Die gut erhaltenen Dachbalken können dabei in den Dachgeschoss-Wohnungen sichtbar bleiben, sei es vor dem seitlich abgrenzenden Mauerwerk oder als Ganzes im offenen Dachgebälk.

Werden in Scheune und Stallungen neue Geschossdecken eingezogen, so sollten diese nach Vorgaben der Denkmalbehörde reversibel ausgeführt werden mit einer späteren theoretischen Möglichkeit, den ursprünglichen Zustand wieder herstellen zu können. Dies erfolgt dadurch, dass die Geschossdecken auf Stahlträgern oder auf Holzbalken aufgelegt werden, anstatt eine Betondecke durch allseitiges Aufschlitzen mit dem Mauerwerk zu verbinden.

Das meist mehr als 100 Jahre alte historische Außenmauerwerk muss gegen aufsteigende Feuchtigkeit auf Dauer geschützt werden. Dies geschieht im Regelfall durch eine Horizontalsperre, entweder durch eine chemische Injektion (= Injektage von Wachsen oder Kunstharzen) oder durch ein Mauersägeverfahren und Eindrücken von Metall- oder Kunststoffplatten.

Weiterhin ist das Ziegelmauerwerk durch eine Fugenertüchtigung von außen zu stabilisieren. Der lose Putz wird weggekratzt, neuer eingefügt und somit das Mauerwerk wieder stabil verfugt. Dabei wird die Fuge mindestens 3 cm tief ausgeratzt und mit einem dem Stein und der vorhandenen Fuge angepassten, eingefärbten Mörtel neu verfugt. Das Außenmauerwerk bleibt somit in seiner historischen Anmutung erhalten. Gleiches geschieht dort, wo innen das Ziegelmauerwerk sichtbar bleiben soll, ansonsten wird es innen verputzt.

Wenn historische Fenster aus optischen Gründen erhalten werden sollen, wir innseitig ein zweites Fenster vorgesetzt;  diese Fensterkonstruktion wird auch als Kastenfenster bezeichnet.

Wird die Sanierung und Restaurierung so fachgerecht durchgeführt, wird der Vierkanthof auch die nächsten hundert Jahre einerseits als landschaftsprägendes Denkmal in seiner baulichen Harmonie der Nachwelt erhalten bleiben und anderseits den Bewohnern ein behagliches Zuhause mit modernem Komfort bieten. Die angestrebte Symbiose zwischen Neu und Alt wird dann gelungen sein.

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